„Ich zuerst.“ Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip

Sonntag, 17. März 2019, 11 Uhr
Club Voltaire, Kleine Hochstraße 5

mit Heike Leitschuh, Autorin des gleichnamigen Buches und Beraterin für Nachhaltige Entwicklung

Immer häufiger begegnen wir sogenannten „Ichlingen“, Menschen, die sich rücksichtslos verhalten, vor allem an sich selbst, ihre Karriere und ihr Geld denken. Sie verlieren dabei die Aufmerksamkeit für Mitmenschen, die Solidarität mit Schwachen und Hilfesuchenden. Neoliberales Gedankengut und Ellenbogenmentalität zerstören unsere Kultur und Gesellschaft, sagt die Politologin Heike Leitschuh. Sie hat darüber mit Forschern, Politikerinnen und vor allem mit Menschen von nebenan gesprochen, mit Menschen in Unternehmen und Vereinen, mit Eltern und Erziehern. Das Ergebnis all ihrer Erfahrungen ist in dem Buch „Ich zuerst! Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip“ nachzulesen. „Das ständige Konkurrenzdenken“, so ihr Fazit, bedroht uns alle. Es sei höchste Zeit umzudenken und gegegzusteuern, sowohl mit einer anderen Politik als auch bei jedem einzelnen, damit nicht alle nur noch sich selbst die Nächsten sind und nur noch das zählt, was sich rechnet.

Moderation: Ulrike Holler

Beitrag* € 5/1

Bestochene Gelehrte – gekaufte Gutachten. Wie unser Wissenschaftsbetrieb immer krimineller wird

Sonntag, 14. April 2019, 11 Uhr

mit Prof. Dr. Hans See, Wirtschaftskriminologe
Moderation: Herbert Stelz

Der Atomphysiker Fritjof Capra klagte schon in den 1980er Jahren: „Was jetzt in der Forschung gemacht wird, hängt davon ab, wofür man Geld bekommt.“ Und auf einer Tagung rutschte im Eifer des Gefechts dem Betriebsarzt des Kernkraftwerks Neckarwestheim, Dr. Thomas Kinzelmann, der Satz heraus: „Ich kriege immer den richtigen Wissenschaftler mit den ‚richtigen‘ Ergebnissen, wenn ich dafür bezahle.“ Das sind Erkenntnisse aus dem immer kapitalabhängiger werdenden nationalen und internationalen Wissenschaftsbetrieb. Die Kapitalhörigkeit von Forschern und Gelehrten führt in der politischen Praxis rechtsstaatlicher Demokratien wie der Bundesrepublik zu Krisen, Kriegen und Katastrophen. Und solche unbeherrschbaren Fehlentwicklungen bereiten jetzt schon klar erkennbar den rechtsextremen Demagogen den Weg. Verschiedenste Formen der Korruption lassen sich nicht nur in der Finanz-, Steuer- und Rüstungspolitik belegen, sondern zunehmend auch in der Verbraucher-, Umwelt- und Wissenschaftspolitik. Was ist dagegen zu tun? Sind die Massendemonstrationen der Gelbwesten oder die während der Schulzeit demonstrierenden Schüler ein wirksamer Protest dagegen? Oder müssen wir mehr tun?

Prof. Dr. Hans See ist einer der Gründer von Business Crime Control und Ehrenvorsitzender des Vereins. Er war lange der erste und einzige Professor für Wirtschaftskriminalität in Deutschland und lehrte an der Fachhochschule Frankfurt, heute Frankfurt University of Applied Sciences.