Zur Geschichte der KunstGesellschaft

Wir haben im Jahr 1981 mit dem Ziel begonnen, das, was man damals „engagierte Kunst“ nannte, zu zeigen und zur Debatte zu stellen. In provokanter Anspielung auf die seinerzeit mit der Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Europa noch einmal wachsende Kriegsgefahr nannten wir uns „Galerie im Bunker“. Wir machten Ausstellungen im ehemaligen Bunker an der Rendeler Straße in Bornheim, zu Gast beim Christlichen Friedensdienst, der dort seine Geschäftsstelle hatte.

Picasso – Zu Krieg und Frieden. Plakatmotiv der ersten Ausstellung der Galerie im Bunker / KunstGesellschaft, 1981

Picasso – Zu Krieg und Frieden. Plakatmotiv der ersten Ausstellung der Galerie im Bunker / KunstGesellschaft, 1981

Bei der Eröffnung unserer ersten Ausstellung: „Picasso – Zu Krieg und Frieden“ im Herbst 1981 sprachen Prof. Dr. Georg Bussmann, der ehemalige Leiter des Frankfurter Kunstvereins, Propst Dr. Dieter Trautwein von der evangelischen Kirche und Roland Frischkorn, damals Gewerkschaftssekretär. Das zeigt die Breite des Bündnisses, das wir anstrebten. Uns ging es nicht um Kunst als schönen Schein, als Unterhaltung oder Event, wir nahmen Picassos Wort ernst: „Die Malerei ist nicht dazu da, Wohnungen zu verschönern.“

Über den Künstler sagte Picasso: „Er ist gleichzeitig ein politisches Wesen, das ständig inmitten der zerstörerischen, brennenden oder beglückenden Weltereignisse lebt und sich ganz und gar nach ihrem Bilde modelt. Wie könnte man kein Interesse an den anderen Menschen nehmen und sich im elfenbeinernen Turm von einem Leben absondern, das einem so überreich entgegengebracht wird?“

Picassos Schlussfolgerung: Kunst sei „eine Waffe zum Angriff und zur Verteidigung gegen den Feind“. Das hielten wir in dieser Verkürzung schon damals für problematisch, weil es als politische Instrumentalisierung von Kunst missverstanden werden konnte. Wir hatten solche Versuche in der einen oder anderen Form schon 1968 und in der Folge bei den neu entstehenden sozialen Bewegungen und bei Parteien erlebt und kritisiert.

Kunst hat ihr Eigenrecht, aber sie lebt und wirkt nicht abseits der gesellschaftlichen Realität. Kunst und Gesellschaft – mit diesem Spannungsfeld wollen wir uns beschäftigen, uns in ihm positionieren.

Nachdem wir unsere Ausstellungstätigkeit 1987 wegen des Verlusts unserer damaligen Räume beendet hatten, weitete sich nicht nur unser Blick auf die unterschiedlichen Kunstströmungen, sondern wir weiteten auch unser Veranstaltungsangebot kontinuierlich aus, den Interessen derer folgend, die bei uns mitmachten.

Einen ausführlichen Artikel von Reiner Diederich zur Geschichte der KunstGesellschaft, der 2014 in Band 16 des Jahrbuchs der Guernica-Gesellschaft „Kunst und Politik“ erschienen ist, können Sie sich hier herunterladen:
Zur Geschichte der KunstGesellschaft (671)

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